Der Kürze fehlt es an Würze

Ein Newsletter soll geschrieben werden. Ich arbeite inzwischen für 2 Tage die Woche in einem Meditationsstudio. Wir wollen den Kunden mit unseren E-Mails Mehrwert bieten, ihnen Infos und Wissen geben und somit die Community ausbauen. Auch wollen wir mehr Besucher auf unserer Website, uns als „Profis“ positionieren und Vertrauen durch Qualität, Authentizität und Expertise aufbauen. Ich schreibe am Thema „Grundlagen der Meditation“ und denke mir dabei, dass es hierfür schon reichlich oberflächliche Infos gibt, die an jeder Ecke erzählt werden. Eben immer der gleiche Standard: sitz aufrecht und gerade, nimm ein Kissen unter deinen Po und kreuz die Beine, bring die Knie weitestgehend zum Boden, Schultern zurück, Kinn ran, fühl dich am Scheitel nach oben gezogen, schließ die Augen, leg die Hände auf die Knie oder in den Schoß, sitz entspannt und beobachte deinen Atem. 

Wow, das ist ja nun nix Neues. Erfährst du in jedem Artikel einer x-beliebigen Zeitung, die etwas über Meditation schreibt, weil es gerade modern ist. Man wird förmlich zugeballert mit den einfachsten Basics. Wollen wir uns da also mit einreihen? Was unterscheidet uns dann? Wo ist unsere Expertise? Wo heben wir uns von anderen ab und wo zeigen wir wirklichen Mehrwert? 

Ich gehe also auf Details ein, zeige Hürden und gebe Hilfestellung, bringe Beispiele und Alternativen, zeige Unterschiede auf und erstelle eine Anleitung, die immernoch die Basics beschreibt, jedoch über den einfachen Krimskrams hinausgeht.

Der Newsletter ist zu lang. Keiner wird es wohl lesen. Wer nimmt sich schon Zeit für so einen langen Beitrag? Ich kürze also meinen Artikel auf die Hälfte. Merke aber schon dabei, dass wirklicher Mehrwert immer mehr fehlt. Wir reihen uns in den Brei der anderen ein. Und ja, es ist Brei – nichts greifbares, nichts, was wirkliche Konsistenz hat. Und irgendwie auch somit keinen Nutzen. Es bleibt eben nur Blabla und schwabbelt an der Oberfläche rum. Ist ein Newsletter dann das falsche Medium? Womöglich. Die Idee, den vollständigen Artikel auf der Website einzubauen und dann per Newsletter darauf zu verlinken, verlief sich dann doch irgendwie. Es wurde ein Zweiteiler. In den ersten News gab es zwei Punkte, in den zweiten News, einen Monat später, dann noch ein paar Weitere. Also irgendwas dazwischen, zwischen Expertise und Einheitsbrei. Und warum das Ganze? Weil Menschen keine Zeit mehr haben. Oder sie sich nicht nehmen wollen. 

Überall gibt es unzählige Informationen. Jeder spamt einen zu. Und das auch in immer kürzer Form. Hier zwei Zeilen, da ein kleiner Post, dort ein Einwurf. Als würde das Leben nur noch aus Überschriften bestehen. Jeder liest nur die Headlines, vielleicht noch den kleinen Einleitungs-Absatz, doch wirklicher Inhalt? Den gibt es nicht. 

Genauso auch in unserer E-Mail. Was soll ich also mit diesen Infos anfangen, wäre ich ein interessierter Neuling? So richtig nichts. Ein Thema ist angerissen, aber nicht zu Ende gebracht. Wir lassen den Menschen zurück in seiner Unwissenheit und bestärken ihn auch noch darin, sich weiterhin von Überschrift zu Überschrift zu hangeln und sich nicht mehr die Zeit zu nehmen, in die Tiefe zu gehen. Sich auch nicht mehr die Zeit zu nehmen, sich mit etwas auseinander zu setzen, sich für etwas zu interessieren. Sich nicht mehr die Zeit zu nehmen, sein Wissen zu stillen, neugierig zu sein, zu forschen und zu entdecken. Wir hinterlassen ihn blöd und sorgen dafür, dass er sich in seiner Blödheit auch noch gut und bestärkt fühlt. Wir fördern die Unaufmerksamkeit des Menschen, bedienen die Rush-Hour im Informationschaos und werfen selbst in das Überangebot an sinnlosen, oberflächlichen Informationen noch unseren Senf mit rein. 

Es gibt einfach zu viele Informationen, weil jeder sich öffentlich und global kundtun kann. Hier ein Satz, da ein Spruch, dort eine Meinung. Ich hab auch schon kein Bock mehr drauf, mir die ganzen Dinge anzuschauen. Doch ist es dann nicht besser, weniger Infos zuzulassen? Statt jeden Bullshit zu lesen, oder besser gesagt zu überfliegen, lösch ich das alles aus meinem Stream, meinen Abos und meiner Aufmerksamkeit. Dadurch hab ich Raum, die Dinge zuzulassen, die mich wirklich interessieren. Und dann freue ich mich über wirklich fundierte Texte, weil ich da etwas lerne, etwas begreife, etwas entdecke. 

Auch wenn es leider davon nicht zu viele gibt. Anfangs war ich offen und habe ganz viel eingeladen, weil ich dachte, etwas zu erfahren, doch musste feststellen, dass auch viele lange Beiträge ohne Inhalt sind. Vertane Zeit, verlorenes Vertrauen und dann kommt, was kommen muss: die Skepsis gegenüber anderen Beiträgen steigt. Ist ja auch irgendwie logisch. Und vielleicht ist das der Grund, warum Menschen sich nicht mehr auf etwas einlassen wollen. Weil sie zu oft verarscht worden sind und in der Suche nach Antworten mit Leere zurückgelassen wurden. Es wird viel getrommelt im Werbetanz der Menschen. Nichts als heiße Luft.

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