Deine Bestimmung finden

Es ist oft ganz schön verwirrend, wenn über Bestimmung (Purpose), Berufung (Calling) oder Schicksal (Destiny/Fate) gesprochen wird. Dann heißt es, dass wir hier von Gott auf die Erde geschickt wurden, um unsere Mission zu erfüllen, unseren Seelenplan umzusetzen. Etwas, das etwas Höherem dient und größer ist, als wir selbst. Ich halte davon nicht viel, da ich den Gedanken nichts abgewinnen kann, dass da jemand sitzt, der bestimmte Talente, Veranlagungen und Begabungen aus seiner Kiste kramt, diese dann zusammen in einen Körper packt und dem ganzen noch eine geheime Mission mit auf den Weg gibt. Dann inkarniert diese Hülle hier in der Welt als Mensch und soll sich nun aufmachen, als ehrwürdiger Diener die Mission von Gott zu erfüllen.

Wenn wir, und so ist meine Auffassung, alle das eine selbe Leben sind, dann ist Gott nichts, was außerhalb von uns existiert. Es gibt nicht Gott hier und seine Schöpfung dort. Gott und Schöpfung ist das gleiche. Und da ist auch niemand, der irgendwas an Bestimmung und Missionen managet und sich ausdenkt. Da ist auch nichts, was getan werden muss, um etwas zu reparieren, dem Universum zu helfen oder irgendwohin zu gelangen. Das Universum ist. Da muss nichts verbessert oder aufgebaut werden. Das alles entspringt nur dem Verstand des Menschen, der Probleme braucht, einen Sinn sucht und hofft, dadurch nicht in seiner Bedeutungslosigkeit unterzugehen. Doch das Universum hat keinen Sinn als solches. Gott, Universum oder auch Bewusstsein verstehe (und (er)lebe ich) als kreative Schöpfungsenergie. Und Kreativität ist Gestalten, ist Wachstum und Verbundenheit, ist sich ausdehnen, ist Neues geschehen lassen, ist aus einem unendlichen Fundus an Potentialen unendlich viele Möglichkeiten Wirklichkeit werden zu lassen. Aber ohne Sinn, Grund, Zweck, Ziel oder richtig und falsch. Es ist einfach eine Energie, die sich ausdehnt, gestaltet, entstehen lässt, zerfallen lässt, um auf andere Weise wieder zu entstehen, zu wachsen und zu zerfallen. Wir bauen Formen auf, die sich verformen und später umformen. Es ist ein reines Spiel der Formen. Und wir können aktiv mitspielen, weil wir ja nicht getrennt von diesem Leben sind, auch nicht Diener des Lebens sind, nicht Angestellter Gottes und nicht Soldaten eines Missionserfüllungstrupps.

Wir sind dieses Leben und können uns hier einfach austoben. Wir können mitspielen und unsere eigenen Formen in diese Welt tragen. Wir dürfen uns eigene Formen und Farben ausdenken und mit ihnen spielen. Und das macht den größten Spaß. Wenn wir unser eigenes Spiel spielen, dann haben wir Freude. Dann bekommen wir noch mehr Ideen, werden noch kreativer und tauchen noch mehr in das Leben um und in uns ein. Das ist wahre Erfüllung, weil wir es nicht mehr Abhängig von Ergebnissen, Zertifikaten und Zielen machen, sondern nur noch davon, ob das, was wir tun und wie wir es tun, uns Spaß macht.

Finde heraus, was dir Spaß macht

Um sich dem zu widmen, was dir Spaß macht, solltest du genau schauen, was dich begeistert und was dich erregt, anregt, was deine Leidenschaft ist, womit du dich gern beschäftigst und ständig beschäftigen kannst. Was von dem, das du tust, lässt dich strahlen, lässt dich die Zeit vergessen, lässt dich voll fühlen? Was bringt dich auf kreative Ideen und regt dich zum Träumen an? Was lässt dein Herz aufleben?

Finde heraus, wie du tust, was du gern tust

Wenn du also gern tust, was du tust: Wie genau tust du es? Ist Musik deine Leidenschaft, dann frage dich, wie genau? Ist es das Singen, das Spielen, das Hören, das Analysieren, die Praxis, die Theorie? Worin genau bist du gut, bei dem, was du gern tust? Erklärst du gern, oder machst du es gern vor? Liest du gern darüber oder schreibst du selbst etwas? Malst du es auf, gestaltest es digital oder analog? Welche Medien nutzt du, welche Sprache nutzt du? Welches Thema interessiert dich genau? Designst du gern? Wie? Mit den Händen, mit dem Computer? Websiten, Screens, Buchstaben, Gefäße, Teppiche, Buchcover, Landschaften, Träume, Illustrationen? Wie gehst du dabei vor? Stift, Tusche, abstrakt, minimalistisch? Was sind deine Begabungen dabei? Was für ein Talent bringst du mit ein? Kannst du gut erklären oder gut zuhören? Kannst du führen oder gut leiten? Du fährst gern Auto? Fährst du lieber selbst oder bist du lieber Beifahrer? Auf welche Art und Weise tust du gern das, was du gern tust?

Finde heraus, warum du tust, was du tust

Dein Warum ist das Gefühl, was du mit dem, was du tust, verbindest. Wenn du an das denkst, was du gern tust, dann löst das im Vorfeld schon ein bestimmtes Gefühl aus, weshalb du dich dann auch dran machst, es wirklich zu tun. Dein Warum motiviert dich. Wie also willst du dich fühlen? Wie wirst du dich fühlen, wenn du tust, was du tust? Du bist auf der Suche nach diesem Gefühl. Dieses Gefühl begeistert dich und das, was du tust, ist nur das Mittel zum Zweck, dieses Gefühl zu bekommen. Sei es Freude, Stolz, Erfüllung, Freiheit, Frieden, Demut, Glück, etc…

Wenn du weißt, was du gern tust und weißt wie genau du es am liebsten tust, dann weißt du auch nun, warum du es tust.

Du weißt nicht, worin du gut bist?

Was sagen andere über dich? Wofür bedanken sie sich bei dir? Was heben sie hervor? Ist es deine kreativer Art im Umgang mit Formen, deine Art, wie du redest, wie du dich gibst, wie du nachfragst? Deine Art, wie du Dinge erklären kannst, wie du Sachen greifbar machst, wie du mit Farben spielst, wie du mit den Dingen umgehst? Schaue auch auf dich selbst? Was fällt dir leicht? Was ist so normal für dich, dass du denkst, dass es nichts besonderes ist? Wir meinen, unser Talent sei nichts besonderes und denken, andere können das ja auch. Aber stimmt das? Wenn es unser Talent ist, dann ist es etwas, dass wir aus dem eff eff beherrschen und immer anwenden, einfach aus dem Grund, weil wir es können, es normal, bedeutungslos oder gewöhnlich für uns ist. Doch genau das ist es nur für uns, weil wir es eben so gut beherrschen. Das kann uns auffallen, wenn uns andere dafür bewundern oder beneiden oder es zumindest als ungewöhnlich hervorheben.

Was heißt „Bestimmung“?

Eine Bestimmung ist, zu tun, was dir aus dem Herzen her Freude bereitet, wofür du dich begeistern kannst, was du gut kannst und was dir leicht fällt, sich normal anfühlt und womit du dich gern beschäftigst. Etwas, das dir leichter von der Hand geht, etwas, dass dich mehr entspannt als anspannt und worin du Frieden und Freude findest, während du es tust. Und etwas, dass dich nach dem Tun nicht komplett ausgelaugt zurück lässt. Es ist etwas, bei dem dir auch gefällt, wie du es tust, die Art und Weise, wie du umsetzt, was dir gefällt und was dich begeistert.

Und es ist etwas, dass du des Tun Willens tust und nicht, weil du damit etwas erreichen willst. Wäre dem so, würdest du dein Tun nur ausnutzen, um etwas zu erreichen. Dann willst du nicht das Tun, sondern das, was als Ziel durch das Tun entsteht. Doch was entsteht denn da? Ein Ziel ist an sich auch leblos. Nur das Gefühl, was es in uns auslöst, ist das, was wir wirklich wollen und wonach wir auf der Suche sind. Wenn wir aber nun wissen, warum wir etwas tun, also wissen, nach welchem Gefühl wir auf der Suche durch unser Tun sind und warum uns unser Tun so gefällt, dann nehmen wir das Ziel vorweg und sind bereits schon angekommen, noch bevor wir uns auf den Weg gemacht haben. Wir fühlen die Gefühle, die wir hinter dem Ziel vermuten, schon bevor wir beginnen. Und somit fühlen wir uns nicht im Mangel und hoffen, den Mangel durch unser Tun und das sich einstellende Ziel zu beseitigen. Wir kreieren dann aus der Fülle heraus, die wir schon vor Beginn unseres Tuns in uns tragen. Dann fließen wir völlig in unser Tun hinein, geben uns gänzlich hin, weil wir keinen bestimmten Ausgang mehr erhoffen. Wir lassen dann geschehen, was geschehen will. Das ist Spontanität. Und Spontanität entsteht immer aus dem Jetzt heraus in Verbindung mit dem Leben und ist immer unkontrolliert, ungewiss, unbekannt und neu. Und das ist deine Bestimmung: Sie ist spontan und dynamisch. Sie kann sich im Außen verändern. Das heißt, das, was du tust, kann sich ändern. Auch das, wie du es tust. Aber meist nicht, warum du es tust. Dein Warum ist also deine Bestimmung und Spontanität und Kreativität ist ihr Ausdruck.

Was Bestimmung nicht ist

Wenn du meinst, deine Bestimmung wäre eine bestimmte Sache, ein bestimmter Ausdruck, also sprich das was du tust und wie du es tust, dann fehlt es an Substanz. Dann beschränkst du dich auch nur auf dieses eine gewisse Etwas. Du engst dich ein. Bestimmung ist Kreativität ist Fließen ist Wandel. Und der äußerliche Ausdruck darf sich immer zu ändern. Du kannst vom Schauspieler, zum Musiker, zum Schriftsteller, zum Familienvater und zum Bankdirektor werden und dennoch deiner Bestimmung folgen. Denn wenn dein Warum der Antrieb hinter deinen äußerlichen Entscheidungen ist, ist es ziemlich egal, wie sich das Warum im Außen manifestiert. Frage dich also immer zu erst, warum du tust, was du tust und schaue dabei auf das Gefühl, welches von deinem Warum getragen wird. Und dann gib dich dem hin, wie es sich durch dich nach Außen tragen will. Du wirst unweigerlich genau die Mittel nutzen, die du hast, die du kennst und die du gern nimmst. Magst du es zu zeichnen, statt zu schreiben, wirst du wohl kaum deinem Warum durch ein Buch in die Welt tragen, sondern eher durch Illustrationen. Aber zu sagen, deine Bestimmung wären Illustrationen, so ist das nur eine Beschränkung auf eine von unzähligen Formen, wie sich dein Warum in die Welt tragen lässt. Lass also die Bedingungen fallen. Nutze das, was du gern tust (das, was dir Spaß macht) und die Art, wie du es tust (also deine Talente), um dein Warum (also den tieferen Sinn, das zugrundeliegende Gefühl, was du fühlen willst) zu leben. Und schon lebst du deine Bestimmung und lernst dich immer tiefer kennen.

Denn am Ende wird kein Gott kommen und dir auf die Schulter klopfen, wie gut du seine Mission erfüllt hast. Da wird nichts weiter passieren, als das, was du jetzt schon bist. Du kannst also heute schon deine eigene Göttlichkeit in dir entdecken und dir heut schon selbst auf die Schulter klopfen. Und zwar dafür, dass du tust, was du aus Liebe zum Tun tust. Folge also deiner Freude und werde zum Schöpfer mit den Mitteln, mit der Zeit und den Möglichkeiten, die du jetzt gerade hast. Je mehr du dich dem widmest, desto mehr Platz wird dafür entstehen. Der Platz zur Umsetzung deiner Bestimmung entsteht nicht vorab. Er entsteht, während du dabei bist, umzusetzen, was du umsetzen und gestalten willst. Der Weg entsteht, wenn man ihn geht. Also gehe deinen Weg und starte dort, wo du jetzt gerade bist.

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