Zen und Schafe. Oder: Wieso ich Schafhirte werden möchte.

„Marius, wie war es am Felsentor? Was hast du erlebt?“. In drei einfachen Worten erklärt sich für mich eine neue, ganze Welt: Zen und Schafe. Es mag simpel klingen, einfach oder vielleicht auch als eine nette Erfahrung, ein „oh, mal was anderes, wie schön“. Aber es ist mehr für mich geworden. Wobei mehr nicht richtig ist. Vielmehr weniger und dadurch tiefer. Eine Tiefe, die sich nicht nach außen hin erstreckt, sondern sich in meinem Inneren zeigte.

Meditation war mir nicht fremd. Neben körperlich aktiven Meditationsformen mit tänzerischem Ausdruck und freien Bewegungen, hat mich stilles Sitzen schon immer angesprochen und tief berührt. Das einfache Verweilen, das alles darf so sein, wie es gerade ist und das ich darf so sein, wie ich gerade bin, hat mich auf dem Sitzkissen zu mir finden lassen – immer wieder auf’s Neue und wenn man das überhaupt so sagen kann. Ob das nun ich bin was ich da spüre, oder einfach nur eine tiefe Entspannung, ein Ankommen, eine Zufriedenheit, spielt für mich eigentlich keine große Rolle. Ich weiß nur, dass da etwas in mir hoch kommt, aus meinem Inneren, was ich als Freude bezeichnen würde, die unabhängig von irgendwelchen Umständen, Situationen und meinem Denken darüber ist. 

Oft verschleiern mir meine Gedanken meine Sicht, legen sich wie Staub auf mein inneres Gefühl von Freude und Zufriedenheit, kleben an mir wie Teer.

Ich bin verstrickt in meinen Meinungen, Bedürfnissen, im Ping Pong Spiel unangenehmer und angenehmer Zustände. Dinge, die mich stören, Menschen, die mich provozieren, Situationen, die mich Zweifeln lassen. Und am Ende auch noch ich, der Angst davor hat, man könne ihm seine Freude stehlen. Ich vergleiche mich mit anderen, wie stark und souverän sie sind, wie fit und in welch geistiger Balance sie zu leben mögen. Ich selbst bin doch eher in einer Art Waschmaschine: da gibt es Zeiten der Ruhe, Zeiten des Spülens und all zu oft Zeiten des Schleuderns bis mir schwindelig wird. Wo ist mein Platz? Was ist meine Bedeutung, was meine Berufung? Welchen Sinn vermag ich diesem Leben zu geben? Wo und wie werde ich glücklich? Was bedarf es dafür und warum fühlt sich so vieles so schwer und anstrengend für mich an? 

 Ich sehe mich, wie ich im Haus den Boden wische. Es ist Vormittag. Ich habe 2 Stunden Zeit für drei Etagen. Ich mache mich an die Arbeit und merke, wie ich eilig bin. Schließlich will ich den Boden bis zum Mittag fertig haben. Ich nehme etwas Hast raus, als ich merke, dass ich gut zu Recht komme. Doch noch immer hängt vor meiner Nase das Ziel des Fertigwerdens, wie eine Karotte vor einem Esel. Blind folge ich diesem Ziel. Merke gar nichts von dem, was gerade geschieht. In diesem Moment halte ich inne und bringe für einen kleinen Augenblick meine Aufmerksamkeit auf das, was ich gerade tue. Meine Arme bewegen sich schwungvoll. Die ganze Hüfte geht mit. „Fühlt sich irgendwie gut an“ denke ich. Ich genieße für eine Weile das Körpergefühl und die schwungvollen Bewegungen. Dann höre ich das Gleiten des Wischers auf dem Boden. Mit unterschiedlichem Druck gibt das Holz des Bodens unterschiedliche Geräusche zu mir zurück. Es ist fast wie eine Melodie und angenehm zugleich, wenn der Wischlappen über den holzigen Boden streift. Nun fange ich an zu begreifen. Dem Boden ist es völlig egal, ob er gewischt wird oder nicht. Er bleibt Boden, so oder so. Es ist nur meine Idee davon, wie ein Boden zu sein hat und wie nicht, weshalb ich hier stehe und diese Arbeit mache. Es ist auch völlig egal, ob ich bis Mittag fertig werde. Denn es gibt so gesehen kein fertig. Bin ich unten angelangt, so wird oben schon wieder der Boden dreckig sein. Deshalb mache ich die Arbeit Tag ein Tag aus. Es gibt hier kein Anfang und kein Ende. Es ist keine Linie, auf der ich mich von A nach B bewege. Es ist eher wie ein Kreis, in dem es nichts zu tun gibt im Sinne von Ziel oder etwas erreichen. Keiner gibt mir einen Orden, eine Auszeichnung und selbst wenn ich ein „gut gemacht“ bekäme, was könnte mir dies nützen? Letztendlich habe ich einen Boden gewischt, dem selbst es egal ist, ob er gewischt wird, dem selbst es egal ist, bis wann er gewischt wird und wie er gewischt wird. Ich stülpe ihm nur meinen eigen Sinn drüber, meine Ideen und Vorstellungen.

Ich mache mich in so vielen Dingen an ein Tun und Schaffen mit einer dahinterliegenden Absicht.

„Diesen Boden wische ich, damit…“

„Diesen Boden wische ich, weil…“

„Diesen Boden wische ich, um…“

Was ist dieses damit, dieses weil und dieses um? Es sind Ziele, die ich mir selbst ausgedacht habe. Mein ganzen Tun, mein ganzes Selbst, was jetzt hier gerade den Boden wischt, befindet sich eigentlich nur im Rennen um dieses Ziel. Ich bin gar nicht da. Nichts ist da, wenn keiner da ist, der es wahrnehmen kann. Den Boden gab es nicht, das Wischen gab es nicht, den Klang gab es nicht. Lediglich das ausgedachte Ziel gab es, die Absicht, einen Boden von dreckig in sauber zu verwandeln. Und dann, wenn das Ziel erledigt ist, sind zwei Stunden rum, der Boden ist so, wie ich ihn haben wollte und nun? Erstens wird der Boden wieder dreckig, zweitens waren die zwei Stunden völlig ohne Leben. Welche Befriedigung gibt mir das Ziel? Ich kann mir auf die Schulter klopfen und sagen „Toll gemacht. So schön sauber.“ Kaum ausgesprochen bin ich schon mit dem Nächsten beschäftigt, was ich wieder ausführe, als müsste ich einem Ziel hinterherrennen. Wieder höre ich nichts, sehe ich nichts, fühle ich nichts. Um mir danach auf die Schulter zu klopfen. Und wieder zum Nächsten überzugehen. 

Für mich gab es kein Ziel mehr. Gibt es auch immer noch nicht.

Es ist, als würde ich dem Horizont hinterher jagen. Und je näher ich ihm komme, umso weiter weg rückt er dennoch wieder. Klar ist es schön, einen sauberen Boden zu haben, ihn richtig zu behandeln, meine Arbeitszeit dafür zu nutzen, ihn zu pflegen. Aber genau das ist es. Und nicht mehr. Es geht nicht um meine Ambitionen und Absichten, warum ich es tue. Ich tue es einfach und mehr nicht. Und ich mache es mit meiner vollen Präsenz. In meinem Tempo, mit meiner Aufmerksamkeit mit meinem Fühlen. Ja, fühlen. Fühlen als Gegensatz zum Denken. Ich fühle mich beim Wischen, ich fühle, wie es sich anhört, ich fühle, wie es riecht. Ich bin einfach da. Vom ersten Moment bis zum Letzten und dann wird es von allein geschehen. Ich tue nichts. Ich bin einfach da, bewege mich, mache, was zu machen ist und so verwandelt sich der Boden selbst von dreckig zu sauber, später wieder von sauber zu dreckig und so weiter. Ich fühle mich als Tänzer im Raum, der ebenso wenig vorhat von der linken Ecke nach hinten rechts zu tanzen, um dann zwei Schritte nach vorn in einer Drehbewegung nach links zu gehen. Nein, ich tanze einfach. Spontan, wie es der Moment verlangt. Ohne Absicht, ohne Ziel. Und dann wird fertig sein, was fertig sein will. 

„Ja aber was ist, wenn du dann nur eine Etage schaffst?“ Nun, das Schöne ist – am Felsentor – es ist Zeit vorhanden. Wenn ich zum Mittag nicht fertig werde, kann ich am Nachmittag ansetzen. Es gibt keine Prüfung abzulegen und die Liste der anfälligen Tätigkeiten ist nicht unermesslich hoch, dass es in totalen Stress für mich ausarten würde. Und selbst wenn ich unter Zeitnot bin, so spare ich enorm Energie, wenn ich mein Denken einfach weglasse. Jeder Gedanke verbraucht immens Energie. Wenn ich das, was ich tue, einfach tue, ohne mir eine Geschichte darüber zu erzählen, dann kann ich das Gleiche auch schnell tun, ohne erschöpft zu sein. Dann bewege ich den Wischer schneller, mache größere Schritte, aber immer ohne den Gedanken zu haben „jetzt aber schnell, du musst fertig werden.“ Nein, lediglich das Gefühl „wie fühlt es sich an, einen großen Schritt zu machen. Und nun den Nächsten. Und nun noch einen.“ Immer von Moment zu Moment. Achtsamkeit ist nicht Zeitlupe. Achtsamkeit ist auch nicht alles haargenau und gewissenhaft und penibel zu machen. Sondern lediglich bewusst zu sein, da zu sein, wach zu sein und sich keine unnötigen Gedanken, wie Interpretationen, Urteile, Wertungen oder Vergleiche darüber zu machen. Und so wird fertig, was fertig werden soll. Und es spielt überhaupt keine Rolle.

Dass es keine Rolle spielt, hat mir die Arbeit bei den Tieren gezeigt, in der Tierschutzstation, zu der ich nach wenigen Tagen wechselte und was für mich das Beste war, was hätte passieren können. Die Arbeit ist simpel. Morgens den Mist der Tiere wegräumen, dann füttern, dann Trinkeimer säubern. Dann die nächsten Misten, Füttern, säubern. Und zwischendurch einwenig da sein, mich von der Wärme und dem Sozialverhalten der Tiere anstecken lassen. Am Nachmittag passiert wieder genau das gleiche. Hier wiederholt sich die Arbeit also nicht täglich, sondern halbtäglich. Ich säubere die Trinkeimer am Morgen mit einer Bürste und frischem Wasser. Am Nachmittag sind sie wieder so dreckig, dass ich das Gleiche nochmal mache. Ich miste die Ställe am Morgen aus. Keine zwei Stunden später sind sie wieder dreckig. Warum also das Ganze? Tag ein Tag aus? Ist doch langweilig, immer das Selbe zu machen?

Immer das Selbe? Wo ist der Unterschied zu einem „normalen“ Leben? Machen wir nicht ständig das Selbe?

Rennen wir nicht immer wieder von A nach B und zurück? Klar versuchen wir den Inhalt zu ändern. Heute dies, morgen das und am Wochenende was ganz anderes, damit unserem Verstand nicht langweilig wird. So ist er beschäftigt, bekommt immer neuen Input, den er analysieren und vergleichen kann. Und über das er sich eine Meinung bilden kann. Doch auch hier machen wir immer das Selbe. Wir hasten und rennen einem Ziel, einer Beschäftigung, einem vermeintlichem Sinn nach, dem wir unser Tun aufstülpen. Und auch hier passiert immer das Selbe: wie sehen den Weg nicht mehr, wir sind nicht wirklich da. Gut, vielleicht, wenn wir am Wochenende mal was außergewöhnliches machen, was uns so unter die Haut geht, dass wir förmlich gezwungen sind, den Moment in seiner Fülle zu fühlen. Doch damit das passiert braucht es schon etwas großartiges, aufregendes und ungewöhnliches. Das so etwas noch passieren kann, beim Putzen von Eimern? Bei einer so simplen Tätigkeit, die sich auch permanent wiederholt? Wo nichts spannendes dabei ist, wo nichts passiert und was so gesehen auch keinen großen Nutzen hat? Schließlich trinken die Tiere auch dreckiges Wasser, aus Pfützen und essen Kot. Warum soll ich mir denn die Mühe machen, immer wieder alles so schön herzurichten, wo es doch eh wieder verpufft?

Ja, es verpufft. Jeder Moment verpufft, das ganze Leben verpufft.

Wir können nichts festhalten. Nur unser Verstand versucht es andauern. Hier kontrollieren, da festalten, da wegschieben. Wir begreifen nicht, dass nicht nur „der Weg das Ziel ist“, sondern dass es gar kein Ziel gibt, sondern nur Weg. Ich kann meinen Atem auch nicht festhalten. Ich kann wahrnehmen, dass er einströmt und irgendwann geht er wieder. Es ist alles im Wechsel, verändert sich, verformt sich. Beim Atmen habe ich auch kein Ziel. Ich kann nicht sagen, „Ich Atme ein, weil…“ und dann bin ich fertig. Ich muss ausatmen. Es geht nicht anders. Ich kann auch nicht sagen „Ich Atme aus, damit…“. Es wird und muss passieren und ist danach nicht irgendwie fertig. 

Ich kann nur sagen „Ich atme.“. Und so wie ich atme, ein und aus, so bin ich da, bei dem was ich tue. So bewege ich die Bürste im Eimer. Spüre den unterschiedlichen Druck, schaue dem Wasser zu, spiele mit dem Wasser, sehe die Verfärbungen, wenn sich der Dreck in diesem löst. Doch ich selbst tue es doch nicht. Es passiert von allein. Ich bin einfach nur da und bewege mich mit allem im Gleichklang. Auch hier ist es dem Eimer egal, den Tieren egal, selbst mir ist es egal. Es spielt keine Rolle. Vor mir hat es ein anderer getan, nach mir wird es ein anderer tun und selbst wenn nicht, spielt es keine Rolle. Ich kann es weder kontrollieren noch festhalten. Ich kann einfach nur da sein und mit dem sein, was jetzt gerade ist, und die Dinge ereignen sich von selbst. Ja, ich habe die Bürste in der Hand und bewege mich. Aber mehr nicht. Ich stülpe dem Ganzen nicht meine Idee über, nicht meine Absicht, nicht mein Ziel.

Im Zen heißt es – grob wieder gegeben: „Verbrenne dich, bei dem, was du tust.“ oder „Lass dein Denken keine Schatten werfen.“

So ist es. Ich tue nichts. Ich beobachte auch schon fast gar nicht mehr, was geschieht. Ich fühle mich, als würde ich in das Geschehen hineinfließen, eintauchen, mich darin auflösen und eins werden mit allem, was jetzt gerade da ist. Das Ich in mir sieht immer nur sich und die Anderen. Meine Meinung, deine Meinung. Ohne dieses Ich im Tun ist es einfach nur ein Tun, nur ein Moment, der vollständig gelebt wurde. Wir können diesen Moment nicht greifen, nicht fassen, nicht benennen. Nur erfahren. Und darum sind wir doch hier, oder? Um Erfahrungen zu machen und zu fühlen? Bei allem, was wir tun, bei all unseren Zielen geht es doch immer nur um das Gefühl, was wir fühlen wollen und hinter diesen Zielen vermuten? Und fühlen findet immer nur jetzt statt. Ich kann nicht fühlen, was nicht jetzt gerade ist. Ich kann mir etwas in einer fernen Zukunft vorstellen, was passieren könnte und mich aufgrund dieser Gedanken und Vorstellung irgendwie fühlen. Ich kann mir vorstellen, mich zu verlieben, und fühle mich warm und zufrieden. Das Denken ist in der Zukunft, das Fühlen hierbei ist aber genau jetzt.

Je mehr ich mich dem Moment öffne, desto mehr kann ich fühlen.

Je weniger ich meinem Denken nachhänge, desto mehr gelingt mir die Öffnung. Jeden Morgen rezitierten wir das Herz-Sutra, ein buddhistischer Lehr-Text, der nicht nur den Kern (also Herz) der Lehren Buddhas widerspiegelt, sondern auch das Herz selbst öffnen soll, in dem man nach und nach begreift, dass hinter dem teilenden und vergleichendem, mit Absicht und Ziel behaftetem Denken eine andere Lebensqualität liegt. Eine, in dem alles ist, wie es ist, ohne Trennung. Eine, in der wir alle selben Ursprungs sind und jeder das selbe Leben in sich trägt. Es geht um Verbundenheit, ein Aspekt, dem wir uns nicht über das Denken, sondern nur über das Fühlen nähern können. Morgens und Abends gab es längere Meditationsperioden, bei denen das sich schwungvoll drehende Rad meiner Gedanken langsam zur Ruhe kommen konnte. Danach gab es ein kleines Frühstück und ich machte mich auf zu etwas, das mich nicht nur aus der Meditation am Morgen abholte, sondern diese vertiefte und das Verständnis von Verbundenheit in Form von Mitgefühl und Liebe gegenüber allem mir erst offenbarte. Ich ging zu den Schafen. 

Eine kleine Gruppe von vier Schafen, die ich morgens für eine gute Stunde durch das benachbarte Wald und Wiesen Grundstück begleitete. Anfangs waren wir uns noch fremd, doch mit der Zeit wuchs das Vertrauen. Anfangs wollte ich auch die Schafe irgendwo hin steuern, doch ließ mich schon bald mehr von ihnen treiben, als dass ich sie in eine bestimmte Richtung versuchte zu steuern. Ich lernte auf die kleinen Impulse in ihren Bewegungen zu achten, auf die ich dann eingehen konnte. Ganz ohne Sprache, keine Worte, kein großes Tamm Tamm. Ich saß neben ihnen, während sie das Gras vom Boden zupften. Ich beobachtete das Kommen und Gehen der Wolken, schaute den sich im Wind wippenden Gräsern zu und fühlte mich aufeinmal so, als wäre ich selbst eines dieser Gräser. Ich fühlte die Bewegungen in mir, fühlte die Wolken nicht nur am Himmel ziehen, sondern auch durch mich hin durch. Ich fühlte die Schafe, als wäre ich ein Teil von ihnen. Und in diesem Moment kam eines dieser Schafe auf mich zu, legte seinen Kopf auf mein Schoß ab und atmete mir seinen warmen Atem auf meine Arme. Ich war so tief berührt, wie es hundert Herz-Sutra Rezitationen nicht hätten schaffen können. Meine Augen füllten sich mit Tränen, mein Hals verklumpte, Gedanken setzten aus und ich war in diesem Moment eins mit allem.

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal mit Meditation in Kontakt gekommen bin.

Ich fühlte mich seit langem (oder vielleicht wirklich zum ersten Mal) verbunden. Verbunden mit mir, meinen Gefühlen, meinem Sein. Diese Ruhe und Zufriedenheit, die ich in mir spüren konnte, strahlte als tiefliegende Freude durch meinen Körper. Nun, mit den Schafen in der Natur geschah eine ähnliche und doch tiefgreifendere Erfahrung. Ich war wieder verbunden. Diesmal aber nicht mehr nur mit mir, sondern mit allem, was da war. Die Luft, die Gräser, die Vögel im Hintergrund, jeder Mensch auf der Erde, das Leben selbst und vorallem die Schafe. Und dabei ist nichts spannendes passiert. Alles ist so simpel, so einfach, so schlicht. Kein Abenteuer, keine Aufregung, keine Spannung. Ich brauchte nichts hinzufügen, um anzukommen. Ich brauchte nur weglassen und alles war bereits da. Die Schafe haben mir mein Herz geöffnet. Es ist auch nicht etwas, was sie mir gegeben haben. Sie haben mir nur gezeigt, was die ganze Zeit in mir war und was ich nur nicht mehr so deutlich gespürt habe. 

Es ist alles da, was wir glauben suchen und finden zu müssen.

Wir können es immer und sofort haben, wenn wir uns dem Moment öffnen. Wenn wir unser Herz öffnen. Wenn wir wieder beginnen zu fühlen und weniger zu denken. Das ist meine große Hoffnung an die Menschheit und das Leben selbst. Und mein Wunsch ist es nun, Schafhirte zu werden. In diesem Sinne beende ich meine kleine Dokumentation und wünsche dem Leser hier, den Zugang zu seinem Herzen zu finden und sich von den kleinen, simplen Dingen im Leben so berühren zu lassen, als gäbe es für diesen einen Moment nichts anderes.